Preise richtig kalkulieren: So verdienst du als Kosmetikerin mehr
Viele Kosmetikerinnen arbeiten unter Wert. So berechnest du deine Preise realistisch – mit Materialkosten, Zeitaufwand und dem Stundenlohn, den du verdienst.
Das Problem: Zu günstig für zu gute Arbeit
Viele Kosmetikerinnen setzen ihre Preise nach Bauchgefühl oder orientieren sich an der Konkurrenz. Das Ergebnis: Du arbeitest 10 Stunden am Tag und am Ende des Monats bleibt zu wenig übrig.
Das liegt selten daran, dass zu wenig Kunden kommen. Es liegt daran, dass die Preise nicht stimmen. Lass uns das ändern.
Schritt 1: Materialkosten pro Behandlung berechnen
Liste für jede Behandlung auf, welche Produkte du verwendest und was sie kosten. Beispiel für eine Gesichtsbehandlung:
- Reinigungsmilch: 0,80 €
- Peeling: 1,20 €
- Serum: 2,50 €
- Maske: 1,80 €
- Abschlusspflege: 1,50 €
- Einwegmaterial (Pads, Tücher): 0,70 €
Materialkosten gesamt: ca. 8,50 €
Viele unterschätzen diese Kosten oder rechnen sie gar nicht ein. Aber sie sind real und müssen gedeckt sein.
Schritt 2: Zeitaufwand ehrlich kalkulieren
Eine 60-Minuten-Behandlung dauert nicht 60 Minuten. Rechne ehrlich:
- Vorbereitung: 10 Minuten (Kabine vorbereiten, Produkte bereitstellen)
- Behandlung: 60 Minuten
- Nachbereitung: 10 Minuten (Aufräumen, Dokumentation)
- Beratung/Verabschiedung: 5 Minuten
Tatsächlicher Zeitaufwand: 85 Minuten – nicht 60.
Schritt 3: Fixkosten auf Stunden umlegen
Deine monatlichen Fixkosten müssen durch deine Behandlungen gedeckt werden:
- Miete: z. B. 800 €
- Versicherungen: z. B. 150 €
- Software & Tools: z. B. 50 €
- Fortbildungen (umgelegt): z. B. 100 €
- Sonstiges (Strom, Wasser, Internet): z. B. 200 €
Fixkosten gesamt: 1.300 € pro Monat
Bei 22 Arbeitstagen und 6 Behandlungen pro Tag (132 Behandlungen/Monat) sind das knapp 10 € Fixkosten pro Behandlung.
Schritt 4: Deinen gewünschten Stundenlohn festlegen
Hier wird es persönlich: Was ist dir deine Stunde wert? Als selbstständige Kosmetikerin solltest du mindestens 40–60 € Stundenlohn ansetzen – denn davon gehen noch Steuern, Sozialversicherung und Rücklagen ab.
Netto bleiben von 50 € Stundenlohn oft nur 25–30 € übrig.
Schritt 5: Alles zusammenrechnen
Für unsere Beispiel-Gesichtsbehandlung (85 Minuten tatsächlicher Aufwand):
- Materialkosten: 8,50 €
- Fixkosten-Anteil: 10,00 €
- Arbeitszeit (85 Min. × 50 €/60 Min.): 70,83 €
- Mindestpreis: 89,33 €
Wenn du diese Behandlung für 65 € anbietest, arbeitest du unter deinem Wert. Ein realistischer Preis wäre 90–100 €.
Aber die Konkurrenz ist günstiger...
Ja, es gibt immer jemanden, der günstiger ist. Aber frag dich:
- Kalkuliert die Konkurrenz sauber – oder arbeitet sie auch unter Wert?
- Willst du über den Preis konkurrieren oder über Qualität?
- Kunden, die nur den billigsten Preis suchen, sind selten treue Stammkunden
Positioniere dich über Qualität, Beratung und Erlebnis – nicht über den niedrigsten Preis.
Anzahlung als zusätzlicher Schutz
Gerade bei hochpreisigen Behandlungen (ab 80 €) schützt eine Anzahlung von 20–30 % deine Kalkulation. Ein No-Show bei einer 100-€-Behandlung kostet dich nicht nur den Umsatz, sondern auch die Materialvorbereitung und den blockierten Zeitslot.
Fazit: Kenne deinen Wert
Preise richtig zu kalkulieren ist kein Luxus – es ist die Grundlage deiner Existenz. Rechne ehrlich, setze faire Preise und steh dazu. Kunden, die deine Arbeit wertschätzen, zahlen gerne einen angemessenen Preis.
Mit TerminKasten kannst du für jede Behandlung eigene Preise und optionale Anzahlungen hinterlegen – transparent für den Kunden und fair kalkuliert für dich.